Vor ein paar Tagen habe ich hier erläutert, dass „Portugiesisch“ nicht gleich Portugiesisch ist und dass es zwischen dem Portugiesischen aus Portugal und dem Portugiesischen aus Brasilien erhebliche Unterschiede gibt. Jetzt möchte ich betonen: Brasilianisch gibt es nicht. Obwohl die brasilianische Variante der portugiesischen Sprache sich erheblich von der europäischen und den sonstigen Varianten unterscheidet, ist sie immer noch keine eigene Sprache, sondern eben nur eine Sprachvariante.
Brasilianisch ist nur ein Adjektiv. Es gibt die brasilianische Kultur, die brasilianische Bevölkerung, die brasilianische Geschichte, aber keine brasilianische Sprache. Die Amtssprache in Brasilien heißt Portugiesisch. Das wichtigste Unterrichtsfach in den Schulen ist schon immer „Língua Portuguesa“ („Portugiesische Sprache“) gewesen. Viele Schulen unterrichten auch „Brasilianische Literatur“, um zu betonen, dass es unterschiedliche literarische Entwicklungen gibt in den verschiedenen Sprachräumen, wo Portugiesisch gesprochen wird. Aber die Sprache ist eine und dieselbe: Portugiesisch (Übrigens: Die Sprache in Brasilien heißt deshalb Portugiesisch, weil Brasilien im Jahr 1500 von Portugiesen entdeckt wurde und 300 Jahre lang eine Kolonie von Portugal war.)
Beim Englischen sieht es übrigens genau so aus: Die Sprache, die man lernt, heißt Englisch, und wenn man Literatur lernen will, lernt man britische Literatur, australische Literatur, amerikanische Literatur usw. Wenn man sich auf bestimmte sprachliche Ausdrucksformen in z.B. den USA beziehen will, spricht man von „amerikanischem Englisch“. Warum sollte es anders sein mit dem Portugiesischen aus Brasilien?
Ich habe letztes Wochenende eine deutsch-brasilianische Zeitschrift gelesen und war erstaunt, als in einer Rezension über einen Sprachkurs „Brasilianisch“ (ohne Anführungszeichen) der Unsinn des brasilianischen Portugiesisch als eigene Sprache verbreitet wurde. Es mag sein, dass man sich im Alltag auf die Sprache in Brasilien als „Brasilianisch“ bezieht. Inakzeptabel ist es jedoch, dass so ein umgangssprachlicher (und grundsätzlich falscher) Begriff in einer Fachzeitschrift für Führungskräfte und gut informierte Leser auftaucht.
Leider sieht man das in Deutschland sehr oft. Das war für mich der Anstoß, diesen Beitrag zu schreiben. Für meine Auftraggeber spielt dieses Problem keine Rolle, da ich im Bezug auf die Sprache in Brasilien immer die richtige Bezeichnung verwende (brasilianisches Portugiesisch) oder zumindest Anführungszeichen. Das tun auch die professionellen Portugiesisch-Übersetzer, die ich kenne. Aber solange schlecht informierte Verlage und Medien irreführende Begriffe verbreiten, wird die breite Öffentlichkeit nie erfahren, dass Brasilianisch keine Sprache ist… Es sei denn, man liest diesen Beitrag.









