Würden Sie einen wichtigen Auftrag einem Anwalt geben, wenn Sie wüssten, der Anwalt nebenher auch als Musiker oder vielleicht als Therapeut arbeitet? Würden Sie die Betreuung Ihres Bauprojektes einem Ingenieur überlassen, wenn Sie wüssten, der Ingenieur auch in der Gastronomie tätig ist? Wenn nicht, dann denke ich, Sie würden Ihre wichtigen Übersetzungsaufträge sicherlich nicht an Nebenher-Übersetzer vergeben. Oder?
Mich wundert, dass die Kunden immer wieder Vertrauen zu Übersetzern zeigen, die sich nicht spezialisieren und weitere Tätigkeiten haben außerhalb des Übersetzens ausüben. Wie kann man eine berufliche Tätigkeit am besten ausüben? Indem man den Beruf ernst nimmt, statt seine Aufmerksamkeit zwischen zwei oder mehreren Berufen zu teilen.
Kann man eigentlich wirklich kompetent sein, wenn man zwei oder mehrere Berufe ausübt? Natürlich ist hier nicht von Hobbys oder sonstigen Freizeitaktivitäten die Rede. Auch nicht von Berufen, die sich gegenseitig gut ergänzen, weil sie mit ähnlichen Bereichen zu tun haben. Hier meine ich Menschen, die Geld verdienen mit Berufstätigkeiten, die gar nichts miteinander zu tun haben.
Ich glaube, ein Großteil der fehlenden Anerkennung des Berufs Übersetzer ist denjenigen zu verdanken, die diesen Beruf nicht ernst nehmen und gleich mehrere Berufen haben. Dadurch zeigt man, dass man sich nicht genug für den Beruf einsetzt. Dadurch zeigt man, dass man nicht glaubt, ein angemessenes Einkommen mit dem Übersetzen zu erzielen. Und natürlich signalisiert man der ganzen Welt, dass man für wenig Geld zu haben ist, weil man ja sowieso nicht hauptberuflich tätig ist und nur ein paar Euro extra verdienen will.
Ich hoffe, Sie haben sich als Käufer von Übersetzungen schon genug überlegt, an wen Sie Ihren Übersetzungsauftrag vergeben wollen – an einen hauptberuflich Tätigen oder an einen Hobby-Übersetzer.






