Deutschen Unternehmern, die eine Geschäftsreise nach Brasilien machen sollen, kann vielleicht dieser Text von Nutzen sein. Es handelt sich um eine kurze aber treffende Einführung in die Geschäftsmentalität der Brasilianer. Der Text beschränkt sich jedoch nicht auf die Geschäftswelt – einige kulturelle Aspekte des brasilianischen Alltags werden ebenfalls betont und erläutert. Obwohl die Beobachtungen vielleicht nicht für ganz Brasilien gelten – die Unterschiede zwischen São Paulo und meiner Heimat Bahia sind schon fast so groß wie die zwischen São Paulo und Deutschland – kann ich die Lektüre nur empfehlen. Hier ein paar Ausschnitte und weiter unten den Link zum vollständigen Artikel:
… Trotz ihrer informal wirkenden Art legen Brasilianer großen Wert auf den richtigen Ton. Alles Negative sollte sich der deutsche Unternehmer verkneifen, und sei es die berechtigte Beschwerde über das Chaos am Flughafen bei der Einreise. Gute Laune und Optimismus sind Pflicht. Kritik am Verhalten des anderen gilt schon in kleinster Dosis als Affront und darf, wenn überhaupt, nur scherzhaft verpackt geäußert werden. …
Ihre Sympathie drücken Brasilianer gerne körperlich aus. Die physische Privatsphäre ist wesentlich kleiner als in Europa. Männer umarmen sich, klopfen sich auf die Schulter oder legen eine Hand auf den Arm des Gesprächspartners. In dieser Position werden dann in aller Ruhe die ersten Worte gewechselt. …
Zum ersten Treffen sollten Produkt- und Firmenunterlagen auf Portugiesisch mitgeführt werden, auch wenn der brasilianische Partner Englisch spricht. So demonstriert die deutsche Firma ein langfristiges Engagement. …
Gleichzeitig zum körperlichen Erstkontakt vergewissert sich der Brasilianer ausführlich und ohne Eile, dass es dem anderen gut geht, am liebsten mit dem klassischen “tudo bem?” (alles klar), das der Gefragte mit denselben Worten und dem Zusatz “e voce” (und selbst?) an den Fragenden zurückgibt, der dies mit einem weiteren “Tudo bem” bestätigt. Ziel dieses Rituals ist es, durch die Wortwiederholung bereits den Eindruck einer ersten Gemeinsamkeit zu schaffen. Ehrliche Antworten wie “geht so”, “lange Reise gehabt” etc. sind fehl am Platz. …
Portugiesischkenntnisse können bei Geschäftsbesprechungen hilfreich sein, obwohl viele brasilianische Manager Englisch sprechen. In seiner Muttersprache kommuniziert der Brasilianer wesentlich ausführlicher und fasst schneller Vertrauen. Aber schon ein paar portugiesische Vokabeln schaffen ein positives Klima. Spanisch hören Brasilianer nicht besonders gerne, da sie eine traditionelle Abneigung gegen den Nachbarn Argentinien pflegen. Wer den persönlichen Kontakt sucht, unterhält sich direkt auf Englisch oder Portugiesisch. Wer mehr Details kommunizieren will, wählt einen Dolmetscher …








